Leserbrief von Christoph Meißner zur Flensburger Innenstadt

Dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Fabian Geyer ist in seiner Analyse voll und ganz zuzustimmen. Mit der Wirtschaftskompetenz ist es nicht weit her. Dies betrifft aber leider nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Mehrheit in der Ratsversammlung, die mit ideologischen Beschlüssen zu den beklagten Leerständen in der Innenstadt und Abzügen von Unternehmen beigetragen hat.

Es begann mit der Erhöhung des Grundsteuerhebesatzes von 480 auf 690 %. Diese Erhöhung traf auch die Geschäftsinhaber, sei es bei Pachten über die Nebenkosten, sei es bei Eigentümern über die Grundsteuerbescheide. In beiden Fällen wird in stärkerem Maße Geld abgeschöpft, was dazu führt, dass sich die Geschäftsführer von Unternehmen fragen müssen, ob sich der Weiterbetrieb des Geschäftes überhaupt noch lohnt, denn: Die Preise können aufgrund der Konkurrenzsituation mit dem Onlinehandel nicht unbeschränkt erhöht werden. Das Ergebnis ist die Schließung des Kaufhauses Karstadt. Damit verliert die Innenstadt einen wichtigen Ankermieter am Nordende des Holms als 1a-Lage, der dazu beitrug, dass auch die kleinen inhabergeführten Läden zwischen Karstadt und der Südermarkt-Passage vom Kundenstrom profitieren konnten. Diese kleinen inhabergeführten Unternehmen werden unter der Schließung von Karstadt leiden. Über kurz oder lang werden wir auch am Holm weitere Geschäftsschließungen erleben.

Hierzu trägt auch eine ideologische Verkehrspolitik bei, die die Pkws aus der Innenstadt fernhalten will. Mit dem Fernhalten der Pkws geht aber auch die Nachfrage derer zurück, die in den Pkws sitzen. Diese fahren dann lieber zu den Einkaufszentren am Stadtrand, wie dem Fördepark oder dem Citti-Park, wo keine Parkgebühren bezahlt werden müssen. Ausdruck dieser ideologischen Verkehrspolitik ist das sogenannte Mobilitätskonzept, welches in der Innenstadt Tempo 30 vorschreiben will, Parkgebührenerhöhungen und Straßensperrungen vorsieht – Beispiel wie von Fabian Geyer angeführt die beabsichtigte Sperrung der Rathausstraße oder der Norderstraße.

Alle diese Maßnahmen berücksichtigen nicht die Bedeutung Flensburgs als Handelsstadt und Oberzentrum einer Region, die weit nach Norden reicht. Flensburg ist daher auf eine gute Erreichbarkeit durch Verkehrswege angewiesen. Die Kundschaft aus der Region muss mit ihren Pkws bis in die Innenstadt fahren können, sonst bricht, wie Fabian Geyer richtig sagt, auch die Nachfrage der dänischen Kunden weg, wodurch noch mehr Geschäfte aufgeben müssen. Denn: die Nachfrage kommt nicht nur aus der Stadt selbst, sondern maßgebend auch aus dem Umland.

Mir geht es wie Fabian Geyer, ich vermisse ein vernünftiges Gesamtkonzept für die Innenstadt. Wo ist ein Sanierungskonzept für die Innenstadt, um die alten Handwerkshöfe an der Hangseite zu sanieren, um wieder Arbeits- und Wohnstätten für Handwerker, Gastronomie usw. zu schaffen? Wo ist ein vernünftiges Nahverkehrskonzept, durch das die Kunden bis in die Innenstadt gebracht werden, Stichwort Revitalisierung der Hafenbahn zum ZOB mit Verlängerung nach Niebüll, Westerland bzw. Tingleff, Apenrade, Sonderburg? Darüber wird schon seit mehr als 20 Jahren geredet. Wo ist ein vernünftiges Tourismuskonzept? Wieso meint die Stadt noch immer nur Wohnraum schaffen zu müssen, statt Arbeitsplätze? Sollen die Studenten, die in Flensburg ihre Abschlüsse machen, hier nicht Arbeitsplätze finden und so dauerhaft Bürger dieser Stadt werden? Hat nicht die Stadt deshalb schon Unternehmen verloren, Stichwort Ultratroc?

Es nützt nichts, alle paar Jahre Strategiekonzepte zu erarbeiten und zu verabschieden, wenn sich immer nur auf ein Ziel konzentriert wird und keine Abwägung vorgenommen wird. Politik heißt nicht, ideologisch zu handeln, sondern vernünftig abzuwägen. Dies ist ein anderes Handeln als Greta hinterherzulaufen. An alledem hapert es in Flensburg. Hoffentlich kommen die Verwaltung und die Politik dieser Stadt aufgrund der letzten Ereignisse nun zu einem Umdenken.