Flensburg: denke groß!

Er hielt sich eine knappe Woche in Flensburg auf, um auf Einladung des vormaligen OB Simon Faber verschiedene Kultureinrichtungen der Fördestadt zu besuchen und zu begutachten.

Inkognito und vor etwa sechs Jahren. Am Ende seiner geheimen Mission lüftete Per Erik Veng vor einem nur ganz kleinen Kreis eingeladener Kulturinteressierter seinen Geheimauftrag. Der Botschaftsrat der Königlich Dänischen Botschaft und international bekannte Musiker und Kulturfachmann Veng stellte zum Schluss seines engagierten Vortrags die eindringliche Forderung auf: „Flensburger, fangt an, groß zu denken! Das vielfältige Potential in Ihrer Stadt wartet nur auf seine Weiterentwicklung!“

Käme der heutige Direktor des Dänischen Kulturinstituts in Brüssel, der in diesem Jahr auch als Berater des SHMV speziell für den dänischen Komponisten Carl Nielsen fungierte, gerade in der jetzigen Zeit nach Flensburg zurück, dann könnte er zu dem positiven Fazit gelangen: Sieh an, man hat mich verstanden und handelt groß. In kurzer Zeit finden nacheinander die Kunstausstellung „Kunst schaffen“ mit norddeutschem Zuschnitt in der Berking-Werft und zwei Konzerte des Rhythmusgenies Martin Grubinger im als Open-Air-Konzertort neuentdeckten Ehrenhain statt, und sie erweisen sich trotz Corona als große Publikumsmagneten. Hatten sie bereits Strahlkraft weit über Flensburg hinaus, so muss man zwei vor kurzem eröffneten Ausstellungen das Prädikat „Weltsicht“ attestieren. Zu sehen sind tief beeindruckende Fotos der World-Press-Organisation in der Berking-Werft, die sonst nur in Weltstädten präsentiert werden. Und am Museumsberg kann man in einer eher seltenen Schau eintauchen in die römische Welt („Utopia“) des wohl bekanntesten dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen. Auch hier können wir nur konstatieren, dass es sich um eine klug konzipierte Ausstellung handelt, die Flensburg zur Ehre gereicht. All das gefiele, da bin ich mir sehr sicher, dem Chef des Dänischen Kulturinstituts Per Erik Veng sehr. Und käme er im Jahr 2027 erneut in unsere Stadt, die sich dann wahrscheinlich mit 100 000 Einwohnern Großstadt nennen darf, dann könnte er im neuen Hotel am Bahnhof oder im gerade eröffneten „James“ absteigen und anschließend den neuen Hafen an der Westseite, das überplante Stadtviertel Hafen-Ost, die vergrößerte Flens-Arena, das zum kulturellen Multifunktionshaus umgestaltete Eckener-Haus sowie das Großklinikum im Peelwatt bestaunen. Es fehlt in der Zukunftsvision eigentlich nur noch als Krönung der Großgedanken die Förde-Philharmonie auf der Harniskaispitze als Ende einer Perlenkette der Theater – und Operngebäude am Wasser, die sich dann von Oslo über Kopenhagen und Sonderborg nach Flensburg erstreckt. Von ihr sprach übrigens erstmals der Musiker und Kulturfachmann Per Erik Veng in seinem Bericht zur Flensburger Kultur. Und in der Philharmonie residiert, probt und spielt selbstverständlich ein deutsch-dänisches A-Orchester. Das einzige zwischen Kopenhagen und Hamburg. Ganz im Sinne der Forderung von Veng: Flensburg denke groß!