Warnung vor der Leere im Gastgewerbe

von Kay Richert

Nachdem die DGB-Jugend davon abgeraten hat, eine Lehre im Gastgewerbe zu beginnen, ist es Zeit für eine Betrachtung der gesamten Szenerie.

Seit Bismarck wird die Lehre nicht mehr durch den Lehrling, sondern durch den Lehrherrn bezahlt. Die Abschaffung der mittelalterlichen Innungs-Gepflogenheiten trug der Verantwortung Rechnung, die ein Meister für den Fortbestand seines Gewerks zu tragen hatte und hat. Gleichzeitig mit dieser Verantwortung wurde dem Meister die Finanzierung der Lehrzeit aufgetragen. Das ist bis heute so, seit etwa 80 Jahren muss der Lehrling auch nicht mehr beim Lehrherrn Unterkunft nehmen und bekommt eine Ausbildungsvergütung.

Natürlich muss die Bezahlung angemessen sein, das gilt auch für die Ausbildungsvergütung. Vor dem beschriebenen Hintergrund generell eine deutliche Erhöhung der Vergütung zu fordern, zeugt von dem Unwillen, sich mit den Zusammenhängen zu befassen. Ja, es geht um die Zukunft der Branche; in erster Linie aber geht es um die Zukunft des Lehrlings.

Und in unserer Region muss man auch sagen: Es geht um die Zukunft der heimischen Wirtschaft! Wie soll denn der Tourismus florieren, wenn die Gastronomiebetriebe kein Personal mehr finden? Auf Dauer kann es uns nicht befriedigen, wenn hierfür arbeitswillige Kräfte aus dem Ausland angeworben werden müssen.

Was die Arbeit zu späten Zeiten anbelangt, so sind diese in der Gastronomie üblich – die Dienstleistung muss schließlich dann erbracht werden, wenn der Gast sie auch haben will. Im Sinne der DGB-Lesart muss die Warnung also auch auf weitere Bereiche ausgeweitet werden:

„Meidet das Maurerhandwerk! Steine und Mörtel sind schlecht für die Fingernägel!“

„Lernt nicht bei Logistikern! Ungeheizte Lager sind im Winter kalt!“

„Wendet euch ab von der Landwirtschaft! Frühes Aufstehen kann ungemütlich sein!“

Und was sagen wir den armen Menschen, die das Bäckerhandwerk ausüben? Obwohl, die arbeiten ja nicht spät, sondern früh. Das ist wohl nicht so schlimm. Oder die Bäcker sind nicht im DGB.

Mit Sicherheit gibt es auch in der Gastro-Branche schwarze Schafe, deren Methoden wirklich ausbeuterisch sind. Ob es sich hier um eine Herde mit überproportional vielen schwarzen Schafen handelt, muss die Branche prüfen und bei Bedarf handeln – möglichst gemeinsam mit der Arbeitnehmerschaft.

Zu den bürgerlichen Werten zählen neben Zuverlässigkeit und sozialer Gerechtigkeit auch Leistungswillen und Fairness. Und Leistungswillen und Fairness sind es, die sowohl von Arbeitgebern wie auch Arbeitnehmern eingefordert werden dürfen. Sorgen Sie für sich und Ihren Betrieb, bewahren Sie sich den Blick aufs Ganze. Zum Wohl unserer Heimat.

Kay Richert
Kreisvorsitzender