Scheel und Voscherau – zwei Sozialliberale verlassen die Bühne

Walter Scheel und Henning Voscherau sind tot. Auch wenn mir nicht bekannt wäre, dass beide irgendwann zusammen gewirkt hätten, stehen doch beide für Bündnisse von Liberalen und Sozialdemokraten – Scheel zusammen mit Brand und Schmidt ab 1969 und Voscherau mit von Münch ab 1988.

Walter Scheel war vor allem für seine Volksnähe bekannt. Über sein legendäres „Hoch auf dem gelben Wagen“ gerät dabei gerne in Vergessenheit, dass der ehemalige Offizier Scheel als Außenminister der Regierung Brandt entscheidend zum Gelingen der Ostverträge beigetragen hat. Zuvor hatte er dafür gesorgt, dass die FDP die Zusammenarbeit mit der unzuverlässig gewordenen Union beendete und so die sozialliberale Koalition ermöglicht. Seine aktive Polit-Karriere beendete er als vierter Präsident der Bundesrepublik Deutschland von 1974 bis 1979.

Von Henning Voscherau ist mir vor allem in Erinnerung geblieben, wie standhaft er nach der Wahl 1997 zu seinen Werten stand: „Ich mache nicht jeden Quatsch mit“ sagte er zutreffend, als er zu einer Koalition mit der grünen Partei gedrängt wurde. Und: „Ich wünsche meiner Stadt Hamburg viel Glück – sie wird es brauchen!“ Recht hatte er.

Mit Scheel und Voscherau sind zwei Politiker gestorben, die für viele von uns Relikte einer „guten alten Zeit“ waren: In der Politiker sich in erster Linie dem Wohl der Bevölkerung verpflichtet fühlten. Und in der Politiker anstehende Probleme angepackt und gelöst haben.

Kay Richert
Vorsitzender der FDP-Fratsfraktion Flensburg