Promotion zum Dr. (FH)?

Kay Richert
Kay Richert

Seit Juni 2012 ist die Flensburger Universitätspräsidentin Waltraud Wende Ministerin für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein. Mit einer Änderung des Hochschulgesetzes will sie den Fachhochschulen das Promotionsrecht einräumen und die Unterrichtsverpflichtung der FH-Lehrer verkürzen.

Früher war es klar: An der Fachhochschule wurden die Praktiker ausgebildet, die künftigen Macher und Manager. Universitäten bildeten den Nachwuchs für Lehre und vor allem Forschung aus. Nirgendwo wurde diese Aufteilung so deutlich wie bei der Lehrerausbildung: Einzig die Gymnasiallehrer, die den akademischen Nachwuchs unterrichteten, studierten an der Uni. Alle anderen Lehrer studierten an der Pädagogischen Hochschule, einer spezialisierten FH.

Spätestens seit dem Bologna-Prozeß ist alles anders. Nicht nur, dass Deutschland seine weltweit geschätzten, begehrten und respektierten Diplom-Graduierungen abgeschafft hat. Inzwischen sind viele FH-Studiengänge auf Kosten der Praxis verwissenschaftlicht oder – wie das des Grundschullehrers – gleich an einer Uni zu studieren. FH stehen den Universitäten in punkto Renommee nicht nach. Wichtige Studiengänge wie der der Wirtschaftswissenschaften können auf gleichem Niveau an FH wie an Unis studiert werden. Die wenigsten Uni-Absolventen streben eine Laufbahn in wissenschaftlicher Lehre oder gar Forschung an. Bachelor und Master können von Universitäten und Fachhochschulen gleichermaßen verliehen werden. Warum also keine gleiche Besoldung und Unterrichtsverpflichtung? Warum kein Promotionsrecht?

„Die Universitäten werden nicht unbedingt jubeln über die neue Idee von Frau Wende“ prophezeit die Ministerin. Ist das tatsächlich so, geht es nur um Pfründedenken und Dünkel. Doch solche Dünkel begründen sich auf nichts mehr.

„Früher war alles besser“ ist wohl ein sehr menschlicher Satz. Und ich muß gestehen: Auch ich habe mich mit der alten, klaren Ordnung wohler gefühlt. Doch das Diplom und seine internationale Wertschätzung sind ebenso Vergangenheit wie es die Unterscheidung zwischen Uni und FH sein sollte. Oder können wir doch aus dem Bologna-Prozeß ausscheren und das Renommee der deutschen Wissenschaft erneuern? Schön wäre es ja.