Planungen am Twedter Plack – RV Redebeitrag Kay Richert

Sehr geehrte Frau Stadtpräsidentin,
sehr geehrte Flensburgerinnen und Flensburger,
geehrte Kollegen,

ich fasse einmal kurz zusammen, was die Befürworter über die Planungen am Twedter Plack sagen:
Die Bürgerbeteiligung war vorbildlich. Die Informationen waren transparent, alle Beteiligten, d.h. Anwohner und anrainende Betriebe sind zu Wort gekommen und ihre Belange wurden berücksichtigt. Die Planungen werden durch eine breite Mehrheit in der Bevölkerung unterstützt.

Die Planung des neuen Zentrums hat eine städtebaulich enorm hohe Qualität. Die neuen Gebäude, Wege und Funktionalitäten stellen eine wesentliche Bereicherung für den Stadtteil Mürwik dar. Deswegen wird auch auf ein qualitativ hohes Niveau beim Einzelhandel geachtet.

Der ruhende Verkehr ist im gesamten Bereich kein Problem; er war vor der Planung keines und jetzt nach der Planung erst Recht nicht mehr. Alle Bürger, die mit dem Auto zum Plack kommen, finden problemlos einen Parkplatz. Die meisten brauchen aber gar keinen Parkplatz, da sie lieber alternative Mobilitätskonzepte nutzen. Deswegen besteht hier überhaupt kein Handlungebedarf.

Durch die Planung des neuen Stadtteil-Zentrums wird das eigentliche Zentrum nicht entwertet. Es werden auch keine Überkapazitäten geschaffen, die zu Leerständen führen. Kannibalismus, d.h. ein aktives Abwerben von Mietern hat es nicht gegeben und wird es auch nicht geben. Die bestehenden Strukturen sind in ihrem Bestand nicht gefährdet, das bisherige stadtteilzentrale Konzept wird nicht tangiert.
Das gewählte Verfahren ist einwandfrei und entspricht dem, was bei der Planung einer Erweiterung eines Stadtteilzentrums zu erwarten wäre.
Überprüfen wir diese Aussagen mal:

Sie sehen, von den Harmonie-Meldungen bleibt nichts übrig.
Die betroffenen Anwohner und Betriebe konnten sich zwar äußern, ihre Belange sind aber mit keinem Strich in die Planungen eingegangen. Dazu kommt, dass die Planungsabsichten nicht transparent kommuniziert wurden. Im Gegenteil, nicht nur die Öffentlichkeit, auch die Politik wurde über die wahren Absichten möglichst lang im Unklaren gelassen.
Die Planungen haben keine städtebauliche Qualität. Dass in der Debatte darüber immer die architektonische Schönheit der Gebäude gesprochen wird, zeigt uns die fehlende Expertise der Redner. Architektur ist nicht Stadtplanung. Arcitektur ist Entwicklung eines Gebäudes, Stadtplanung ist die Entwicklung eines Quartiers. Hier am Plack werden Wege- und Sichtbeziehungen zerstört. Das neue Zentrum wird vom bestehenden baulich abgeschirmt. Das unterbindet natürlich auch die Kundenströme, die nach dem stadtteilzentralen Konzept zwischen Passage am Plack im Norden und EDEKA/ ALDI im Süden fließen sollen. Die bestehenden Funktionalitäten werden kaputt gemacht.

Vielleicht ist das auch beabsichtigt. Denn anders lassen sich die augenfälligen grotesken Überkapazitäten nicht erklären, die hier bewusst geschaffen werden. Und anders lässt sich auch nicht erklären, warum eine Überplanung des gesamten Stadtteilzentrums immer in Aussicht gestellt aber nie angegangen wurde.
Die Parkplatz-Situation am Plack war immer schon schwierig. Sie können das alle nicht wissen, denn Sie fahren ja alle mit dem Fahrrad oder dem Bus. Aber normale Menschen wie ich fahren mit dem Auto zum Einkaufen. Und da ist es nun einmal Fakt, dass die Zahl der Parkplätze in Relation zur Verkaufsfläche mehr als halbiert wurde und es ist ebenfalls fakt, dass das zu chaotischen Situationen führt – jetzt schon, ohne den jetzt vierten Neubau.

Besonders für ältere Menschen ist das Auto oft ein Stück Restmobilität, ein Stück Teilhabe. Mürwik ist der älteste Stadtteil. Da ist der bewusste Verzicht auf Stellplätze mit dem süffisanten Hinweis auf alternative Mobilitätskonzepte schon ein Akt bewusster Seniorenfeindlichkeit.

Diese Punkte wären bei einem Bauplan-Verfahren alle zu prüfen. Eigentlich ist das B-Plan-Verfahren der Normalfall, die Ausnahme nach § 34 kommt nur zur Anwendung, wenn kein Bauplan besteht und es nach Art und Umfang der Planungen unverhältnismäßig wäre, einen B-Plan aufzustellen. Am Twedter Plack besteht ein B-Plan, er passt nur nicht zu den Planungen des Investors. Die Beteiligung der betroffenen Anwohner und Betriebe hätte nach Mindest-Standards erfolgen müssen. Eine Überbauung in diesem Ausmaß wäre nicht zulässig. Ein Neubau mit gänzlichem Verzicht auf zusätzliche Stellplätze wäre nicht möglich. Und das ist auch der Grund, warum hier kein ordentliches Verfahren gewollt ist.