Leserbrief zum Krankenhausdialog 2.0

Nein, Herr Pohl, so harmonisch, wie Sie es aus meiner Sicht – weichgespült – berichten, ging es keineswegs beim 2. Klinik – Dialog im Flensburger Bürgersaal zu.
Eines musste man dabei Simone Lange (OB Flensburg), Martin Wilde (Diako) und Klaus Deitmaring (Franziskus) beim 2. Klinik – Dialog zugestehen: Nachdem sich alle gegenseitig für das bis dato Erreichte inklusive der Pressebegleitung auf fast schon peinliche Art und Weise belobigt hatten, haben Sie ein sehr gut aufeinander abgestimmtes Drehbuch abgespult, um den vielen Flensburger Bürgern im vollbesetzten Bürgersaal ihre offensichtlich neu gefundene Eintracht (man duzt sich und umarmt sich gar am Ende) zu demonstrieren. Das Ansinnen hieß klar und deutlich: Druck aus dem Kessel der empörten Öffentlichkeit nehmen und Zeit gewinnen. Deshalb kam auch keine einzige Wortmeldung aus dem Lager der Simone Lange – Unterstützer von CDU, Grüne und SPD. Ein Schelm, der dabei Böses denkt.

Der Plan ging sogar soweit, dass zunächst Deitmaring einen schönen Traum vom noch schöneren Krankenhaus im Jahre 2030 zum Besten gab und die auf Aussagen zur Trägerschaft hoffenden Bürger unnötig hinhielt. Dabei verstieg sich Deitmaring bis hin zur Skizzierung überall glücklich dreinschauender Krankenschwestern. Die Euphorie der Bilder aufnehmend, wurde anschließend von Wilde weitergeträumt. Er begegnet nur zufriedenen, kompetenten Ärzten unter einer ärztlichen Direktion sowie einer einzigen Geschäftsführung, die sich eines einheitlichen EDV – Systems bedient. „Medizinische Versorgung aus einer Hand“, ja das wollen wir gern als Fortschritt aus den Verhandlungen der beiden Krankenhäuser und der Stadt festhalten.
In der Realität scheint dann auch alles in Ordnung, denn die Oberbürgermeisterin Lange springt dem Konsens bei und berichtet von den vielen notwendigen Planungen und Entscheidungen ihrer Verwaltung, die diese in Abstimmung mit den Geschäftsführern („Es gab noch nicht einen Streit“ O-Ton Lange) der beiden Kliniken um das neue Krankenhaus herum zu klären haben. Aber man fragt sich, warum tagen zwei Ausschüsse, nach Aussagen von Deitmaring 14tägig, seit einigen Monaten ohne die Beteiligung der Politik, die somit bis dato keine Kontrolle ausüben kann und auf Berichterstattungen der OB Lange im Rat angewiesen ist ? Und bei einer derart einvernehmlichen Grundstimmung mochte auch Frau Silke Seemann vom Sozialministerium diese bislang so trefflich angerührte „Krankenhaus – Suppe“ nicht versalzen und hielt positiv Kurs. Sie forderte an diesem Abend nicht einen einzigen Klinikträger, wie von ihrem Sozialminister Garg bereits postuliert. Vielmehr kündigte sie an, dass nach der schnellen Geländefindung des Peelwatt und dem guten Kontakt zur Stadt Flensburg das Projekt am 20. Februar in den Finanzplan aufgenommen werde und man sei im übrigen „offen“. Das impliziert auch zwei Trägerschaften.

Warum jedoch, fragte sich der kritische Beobachter während des gesamten, gut inszenierten Abends, schmeckt mir diese vorgesetzte, von allen abgeschmeckte Suppe nicht ? Was fehlt ihr ? Die Antwort ist recht schnell gefunden: Wir benötigen den einen Koch, der die Verantwortung für das endgültige Gelingen der Suppe übernimmt. Auf das Krankenhaus übertragen: Wir brauchen eine einzige Trägerschaft für das neue Klinikum mit einem einzigen Arbeitgeber ! Genau zu dieser Gretchenfrage des neuen Krankenhauses wollten die Vertreter von Diako und Franziskus, auch auf mehrfaches Nachfragen aus dem Publikum, keine Aussage machen. O – Ton Wilde (Diako): „Die Trägerschaft beantworten heute wir nicht, “ und Deitmaring (Franziskus) pflichtete ihm bei: „Die Frage der Trägerschaft bleibt offen.“ Diese erneute Einigkeit wunderte nicht viele Interessierte, wissen sie doch, dass Wilde vom Aufsichtsrat in der Diako abhängig ist und Deitmaring von der Zentrale des Franziskus – Hospitals in Köln instruiert wird. Aber genau wegen der Träger – Frage waren die Flensburg gekommen. Leider kam auch von Frau Seemann nur ein uneindeutiges: „ Wir sind offen“. Also sind auch zwei Träger möglich, drängt sich als Frage auf. Dabei hat ihr Minister bereits deutlich gemacht, dass eine Förderung dieses Projekts nur dann erfolgt, wenn es in seiner Struktur den Erfordernissen des entsprechenden Krankenhausfinanzierungs – gesetzes und des in diesem Land gültigen Haushaltsrechts entspricht. Wie sehen die aber aus ? Das ist eine nächste berechtigte Frage. Oder hat Minister Garg sich doch eine Hintertür offen gelassen? „Sollte eine einzige Trägerschaft nicht umsetzbar sein, sei zu prüfen, welche Strukturen eine außerordentlich enge Kooperation sicher stellten…,“ heißt es nämlich in einer seiner Stellungnahmen.

Skepsis ist allenthalben durchaus mehr als angebracht. OB Lange war ursprünglich gegen ein Krankenhaus auf der grünen Wiese, jetzt arbeitet sie für das Projekt, aber sie benötigt Hilfe :“ Ich kann nicht Krankenhaus,“ gibt sie freimütig zu. Die beiden Krankenhäuser wollten ursprünglich zwei Trägerschaften, jetzt sind sie für eine Trägerschaft immer noch nicht zu haben. Der zuständige Minister setzt als oberste Priorität eine einzige Trägerschaft, aber im Falle des Scheiterns wird dann doch nach anderen Optionen gesucht. Das gibt den beiden Krankenhäusern eine gewisse Planungssicherheit für ihre Belange, denn ein drittes UKSH als Druckmittel für die Diako und das Franziskus wird die Landesregierung wie das Weihwasser scheuen. Und die Variante mit der Stadt Flensburg als drittem Gesellschafter ist mit OB Lange keine Option:“ Ich bin eine hochverschuldete Stadt, “ heißt ihr Argument.

Das alles zusammen ergibt eine Gemengelage, die dem Bürger und der Kommunalpolitik in den nächsten Monaten erhöhte Wachsamkeit abverlangt. Seid wachsam, dass nicht durch irgendeine Hintertür das Projekt anders konstruiert wird, als es die überwiegende Mehrheit der Flensburger will.

Faktum ist: In diesem Jahr sind die Grundstücksfrage und die Trägerschaft zu klären. Und solange es besonders bei der Frage der Trägerschaft keine klare Aussage gibt, wird das Krankenhaus zwangsläufig ein wichtiges Thema im Kommunalwahlkampf werden. Da konnte der zumeist locker parlierende Moderator Carsten Kock als Nicht-Flensburger ruhig anderer Meinung sein.

Wolfgang Raube