Kann ein wenig Patriotismus denn Sünde sein?

von André Classen

Die Grüne Jugend erklärt uns also, dass die Euphorie im Zusammenhang mit Fußballspielen eine Vorstufe zum Nationalismus sei, selbst der Vergleich mit dem Nationalsozialismus wird nicht gescheut. An dieser Stelle sollten wir einmal die Begriffe Patriotismus und Nationalismus abgrenzen.

Der französische Schriftsteller Romain Gary (1914 – 1980) brachte es auf den Punkt. „Le patriotisme, c’est l’amour des siens. Le nationalisme, c’est la haine des autres.“ Zu deutsch: „Patriotismus ist Liebe zu den Seinen; Nationalismus ist Hass auf die anderen.“

Beleuchten wir zunächst einmal die Situation:

Verglichen mit anderen Ländern ist Nachkriegsdeutschland ein eher unpatriotisches Land. Wer offen sagt: „Ich bin stolz, Deutscher zu sein“, wird schnell in die rechte Ecke gestellt. Nationale Symbole sind im Alltag nur wenig präsent. Einzige Ausnahme ist seit jeher der Sport. Wenn die deutsche Nationalmannschaft spielt, darf man guten Gewissens die Deutschlandflagge hinaushängen, darf man guten Gewissens auch mal die Nationalhymne singen, darf man guten Gewissens einmal Patriot sein. Vielleicht ist dies ja auch historisch bedingt. Gab doch das „Wunder von Bern“ dem besiegten Deutschland 1954 eine nationale Identität zurück. „Wir sind wieder wer“, lautete das Zitat dieser Tage.

Durch das „Sommermärchen“ 2006 wurden Fußball-Welt- und Europameisterschaften dann zum öffentlichen Hype. Seitdem befindet sich bei den Großturnieren stets das ganze Land im Ausnahmezustand. Public Viewings gab es wenn überhaupt zum Finale. Heute dagegen wird schon jeder Gruppenspielsieg wie ein Turniergewinn gefeiert.

Wie ist dies nun zu bewerten?

Ohne Frage, dieser Hype ist nicht jedermanns Sache. Es gibt auch viele, denen der Rummel inzwischen auch wieder auf die Nerven geht; manche konnten sich damit auch nie anfreunden. Sicherlich wäre es vielen recht, wenn sich das Ganze als „Modeerscheinung“ entpuppt und demnächst ganz verschwindet. Vor allem die Grünen dürften sich darüber freuen. Nicht, weil ihnen möglicherweise die Grüppchen alkoholisierter Halbstarker auf die Nerven gehen, auch nicht wegen eventueller Umweltverschmutzung durch diese Volksfeste, sondern allein deshalb, weil jede Form von Patriotismus gegen ihre Ideologie verstößt. Sich mit seiner deutschen Heimat zu identifizieren, passt nicht in das grüne Weltbild, passt allgemein nicht in ein linkes Weltbild.

Nun ist jedem freigestellt, ob er stolz auf sein Land sein will oder nicht. Ohne Frage, in unserer Geschichte gibt es auch dunkle Kapitel. Und auch heute passieren in unserem Land mitunter Dinge, auf die man sicherlich nicht stolz sein kann. Aber das gilt wohl für jedes Land auf der Welt. Und es gibt auch viele Dinge, auf die man zu Recht stolz sein darf. Sei es der Aufbau einer Demokratie nach dem Krieg, deutsche Ingenieurskunst, „Made in Germany“, unsere Rolle als führende Wirtschaftsnation und vieles andere. Wobei es den meisten, welche sich dieser Tage in Schwarz-Rot-Gold hüllen, dabei gar nicht um diese Dinge gehen dürfte. Den meisten geht es einfach um das Wir-Gefühl, darum, Teil einer großen Familie zu sein. Viele nehmen den Fußball auch zum Anlass, kräftig zu feiern, „die Sau rauszulassen“, sich daneben zu benehmen, sich von den Zwängen und Konventionen des Alltags zu befreien. Sicherlich gibt es auch in unserem Land einige Unverbesserliche, die den Fußball nutzen, um ihre Abneigung gegenüber anderen Völkern auszuleben, aber dies ist nur eine kleine Minderheit.

Jedem seine Meinung

Hier wird einmal mehr der grüne Regulierungswahn ganz deutlich. Weil sie selbst Patriotismus ablehnen, soll es allen verboten werden. Das Abbrechen von Autofähnchen macht als konkretes Beispiel sehr deutlich, wie tolerant Grüne gegenüber anderen Meinungen sind. Sie fordern Toleranz gegenüber Menschen, die eine andere Hautfarbe haben. Sie fordern Toleranz gegenüber Menschen, die andere Religionen haben. Ihr Ziel ist eine bunte Mischgesellschaft; „Multikulti“ heißt das Schlagwort. Nur bei den politischen Ansichten soll es bitte keine Vielfalt geben, hier wird eine Monokultur angestrebt. Aus liberaler Sicht bleibt zu sagen: Jeder Mensch sollte selber entscheiden können, wie patriotisch er sich dieser Tage gibt, wie stark er sich mit seinem Land identifizieren möchte und jeder sollte die Meinung des anderen respektieren.

Wir sollten uns doch freuen, wenn auch Menschen, die ihre Wurzeln in anderen Ländern haben, sich in das schwarz-rot-goldene Fahnenmeer hüllen, und „ihr“ Deutschland feiern. Dabei ist auch anzumerken, dass durch die Weltmeisterschaft 2006 unser Land in der ganzen Welt als offenes, tolerantes und lebensfrohes Land wahrgenommen wurde und damit viele alte Vorurteile revidiert werden konnten.

– André Classen
Beisitzer im Kreisvorstand