Ein offenes Ohr ist wichtiger als Taschengeld

von André Classen

Stadtteilforen sind wichtige Institutionen für den Dialog zwischen Bürgern und Politik. In vielen Flensburger Stadteilen, wie Weiche, Mürwik oder auf der Rude, finden sich bereits gefestigte Strukturen. In anderen, wie in Jürgensby, stecken diese erst noch in den Kinderschuhen.

Viele Menschen möchten sich gerne politisch für ihre Nachbarschaft starkmachen. Doch nicht alle Menschen möchten dazu Mitglied in einer Partei werden. Manche sind parteienverdrossen, andere können sich mit Ansätzen vieler Parteien identifizieren und mögen sich nicht auf eine festlegen. Für diese Menschen sind Bürgerforen eine niedrigschwellige Möglichkeit, sich einzubringen.

Aber nicht nur die Bürger profitieren hiervon. Auch Politik und Verwaltung haben hier die Chance, den direkten Dialog mit den Menschen zu führen. Natürlich werden Rat und Verwaltung auch in Zukunft Entscheidungen treffen müssen, welche bei einigen Flensburgern auf Unmut stoßen. Wenn man jedoch diese Entscheidungen und ihre Hintergründe den Bürgern deutlich kommuniziert, werden sich viele Wogen glätten lassen.

Dem Vorstoß der WiF, in Flensburg Ortsbeiräte einzurichten, stand die FDP zwar skeptisch gegenüber, dennoch ist zu begrüßen, dass die Situation der Stadtteilarbeit hierdurch einmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Derzeitig werden viele interessante Ideen diskutiert, wie man die Arbeit in den Foren unterstützen kann.

Ob die Zuteilung von festen Budgets durch die Stadt an die Foren für die Stadtteilarbeit der richtige Weg ist, ist eher fraglich. Viel wichtiger als monetäre Zuwendungen ist eine engere Vernetzung zwischen Foren, Parteien und Verwaltung. Eine sehr gute Idee ist, dass alle Bürgerforen einen festen Ansprechpartner in der Verwaltung erhalten. Dieser könnte die Anliegen der Bürger zunächst entgegennehmen und diese dann weiterleiten bzw. den Bürgern weitere Anlaufstationen nennen.

Letztlich ist es in der Stadtteilarbeit wie in der Kindererziehung. Taschengeld alleine macht das Kind nicht glücklich. Wichtiger ist, dass die Eltern dem Kind zuhören und es ernst nehmen. Dies sollte auch die Leitlinie für den Bürgerdialog sein.

André Classen
Beisitzer