Ein Krankenhaus unter einem Betreiber

Um den öffentlichen Diskurs zum Krankenhaus-Neubau weiterhin bestens informiert anführen zu können, hatten die Flensburger Freien Demokraten zur jüngsten öffentlichen Vorstandssitzung sehr viel Sachverstand eingeladen. Neu war: Mit Dr. Jörg Casper (ehemaliger ärztlicher Direktor des St. Franziskus) und Dr. Friedrich Wrede (ehemaliger Chefarzt der Diako) saßen intime Kenner beider Krankenhäuser in dem sehr gut besuchten Treffen. So konnte eine genaue Einschätzung der seit 2006 bestehenden medizinischen Kooperation sowie der aktuellen Situation erarbeitet werden.

Unisono wurde der Bau eines gemeinsamen Krankenhauses am Standort Peelwatt von Dr. Casper und Dr. Wrede als einmalig Chance bewertet, da so das drittgrößte Krankenhaus Schleswig-Holsteins entstünde. Dieser zukunftsträchtige Aspekt stoße bereits jetzt auf großen Anklang in der Bevölkerung und dürfe auf keinen Fall an der Konfessions-Frage scheitern. Dr. Casper brachte als positives Beispiel das Hospiz in die Diskussion ein, das in der Vergangenheit von beiden Trägern gemeinsam geführt wurde. Dr. Wrede stimmte teilweise zu, verwies jedoch auf die komplizierte Proporz-Verteilung, zumal in dieser – gegenüber einem Zentralkrankenhaus – viel kleineren Einheit. Und dann wurde eine unterschiedliche Sichtweise zwischen den beiden Neubau-Befürwortern klar ausgesprochen:

Dr. Casper konnte sich zwei Trägerschaften unter einem Dach in einer Art Holding-Gesellschaft durchaus vorstellen. Dr. Wrede dagegen nahm explizit Stellung für ein Klinikum mit einem Betreiber und einer Verwaltung. Beide unterfütterten ihren unterschiedlichen Standpunkt mit Argumenten aus der jüngsten Geschichte und der Gegenwart. Einigkeit herrschte dann wieder darin, dass die bestehende Konkurrenz um den Patienten sowie Zuständigkeits- und Kompetenz-Gerangel dem Patienten-Wohl abträglich sind.
Aus dem Kreis der engagiert mitdiskutierenden FDP-Mitglieder wurde in Richtung der Stadtverwaltung kritisiert, dass in den bestehenden beiden Arbeitsgruppen zum Krankenhaus-Neubau, derzeit die Politik ausgeschlossen und somit keine Kontrolle der Vorgänge gewährleistet sei.

Am Ende der 1,5-stündigen, angeregten Diskussion kam nochmals zur Sprache, dass die FDP bereits seit 2016 in Sachen Verbesserung der Flensburger Krankenhauslandschaft aktiv ist. Daraus entwickelten die Freien Demokraten – federführend durch Birte Wrede und Susanne Rode–Kuhlig – fast genau vor einem Jahr die Initiative, alle Parteien im Flensburger Rat für ein neues gemeinsames Krankenhaus zu gewinnen.

Schließlich wartete der FDP-Vorsitzende, Kim Harder, noch mit dem Ergebnis einer kleinen Umfrage am Stand der Flensburger FDP beim städtischen Neujahrsempfang auf: Die dort anwesenden Bürger sprachen sich zu 95% für ein Krankenhaus unter einem geeinten Betreiber aus. Kim Harder sieht hier die Grundeinstellung seiner Partei, ein Krankenhaus unter einem Betreiber mit einer Verwaltung zu fordern, bestätigt. Das verpflichte die Flensburger FDP für die Zukunft: „Nur ein Krankenhaus mit einem im Tagesgeschäft unabhängigen Betreiber ist zukunftsfähig und der Gesundheit der Patienten optimal dienlich“, stellt Kim Harder unmissverständlich klar. Aus seiner Sicht böte es sich an, wenn die bisherigen Träger dann in zweiter Reihe, als Anteils-Inhaber des zukünftigen Betreibers, aufträten.