Ehe ist nicht gleich Familie

Kay Richert
Kay Richert

Das Bundesverfassungsgericht hat dieser Tage über das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften geurteilt. Schon zeichnet sich ab, dass die linken Parteien den Themenkomplex Homo-Ehe als Wahlkampfthema für sich entdecken. Doch das Thema ist zu wichtig, um es ahnungslosen Gutmenschen zu überlassen, die allen alles versprechen. Und die Konservativen? Die CDU bleibt schwammig und vertritt – wie in vielen weiteren Bereichen auch – wieder alle denkbaren Positionen gleichzeitig. Die Diskussion muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden.

Die Moralspießer von grün über rot bis dunkelrot und auch schwarz fordern eine echte Ehe auch für homosexuelle Paare, wobei besonders auf steuerliche Vorteile gezeigt wird. Das ist pervers. Denn Zweck dieser Ehe ist es nicht, Steuern zu sparen.

Zweck dieser Ehe ist es, gemeinsam Kinder zu zeugen und großzuziehen. Das ist auch der Grund, warum die Ehe von der Gemeinschaft besonders geschützt wird, warum die Ehe in Artikel 6 des Grundgesetzes besonders herausgehoben wird. Doch unsere Gesellschaft hat sich verändert; Ehe hat nicht automatisch Nachkommenschaft, ehescheinlose Lebenspartnerschaft nicht automatisch Kinderlosigkeit zur Folge. Soll der Zweck gewahrt werden, sind die Gesetze anzupassen. Wir, die Gesellschaft, haben ein großes Interesse daran.

Wertekonservative Menschen wie ich halten die Ehe für erstrebenswert, doch das sehen nicht alle Deutschen so. Als Liberaler gestehe ich auch diesen Mitbürgern zu, auf ihre Fasson selig zu werden. Ebenso liberal hat sich der Staat zu verhalten.

Der Schutz von Familien, also Partnerschaften mit Kindern, muss Anliegen des Staates sein. Dabei kann es nicht von Bedeutung sein, ob die Kinder leiblich oder angenommen sind, ob die Eltern gleichgeschlechtlich oder traditionell zusammenleben; Familie ist da, wo Kinder geliebt werden und geborgen aufwachsen können.

Die deutsche Familienförderung muss dringend reformiert werden: Weg von der Begünstigung des Instituts Ehe, hin zur Förderung von Familien. Was spricht etwa dagegen, die Steuerklassen nach der Kinderzahl festzulegen? Nichts, in meinen Augen ist das die einzig gerechte Lösung. Und in einem solchen Kontext spricht auch nichts gegen die Gleichberechtigung von Homo-Ehen.

– Kay Richert
Kreisvorsitzender