Die Obduktionspflicht für Kinder unter 6 Jahren ist abzulehnen. Schleswig-Holstein sollte dem Bremer Beispiel nicht folgen

von Anja Nielsen

 

Die Totenruhe hat einen Wert und die Menschenwürde hört mit dem Tod nicht auf. Die Obduktion eines Kindes kann Eltern, Geschwister und Angehörige zusätzlich traumatisieren. Wird dem Leib ihres Kindes nach dem Tod Gewalt angetan, kann dies die Trauerarbeit deutlich erschweren.

Die vier Bremer Abgeordneten der FDP stimmten gegen die Gesetzesänderung. Dr. Oliver Möllenstädt:

„…Die Obduktionspflicht bei verstorbenen Kindern unter 6 Jahren ist nicht geeignet, zur Verbesserung des Kindeswohls beizutragen. Die katholische Kirche hat dies in ihrer Stellungnahme so einfach wie einleuchtend beschrieben: „Einem bereits verstorbenen Kind nützt eine Obduktion im Hinblick auf sein Kindeswohl nicht mehr.“

…Eine gesetzliche Obduktionspflicht ist nicht erforderlich, um Kindstötungen zu entdecken und damit möglicherweise Geschwisterkinder zu schützen…, weil bereits die heutigen gesetzlichen Mittel ausreichen. …
Es kann sicherlich dazu kommen, dass Anzeichen für eine Tötung übersehen werden. Die FDP würde es deshalb begrüßen, wenn die Leichenschau in Zukunft durch speziell qualifizierte Ärzte durchgeführt wird, nicht durch Hausärzte. …Es steht also der Staatsanwaltschaft frei, bei jedem unaufgeklärten Todesfall eine Obduktion anzuordnen. …Ein neues Gesetz ist dazu nicht erforderlich.

…Ist es angemessen, alle Eltern, die ein Kind verloren haben, zum Wohle der Strafverfolgung oder der medizinischen Forschung (!) unter Generalverdacht zu stellen?…Uns hat eine eindrucksvolle Stellungnahme des Vereins für Verwaiste Eltern erreicht. Darin kommen die Betroffenen zu einem eindeutigen Schluss: „Aus unserer jahrelangen Erfahrung … können wir mit Sicherheit sagen, dass die geplanten Änderungen zu einer erheblichen Belastung der Familien führen.“ …Der Verlust des eigenen Kindes ist für Eltern der größtmögliche Schock. …die körperliche Integrität des Leichnams ist nicht unwichtig. …“

Tödliche Misshandlungen geschehen übrigens in der Regel im Affekt – darüber, ob und wie sie erkannt werden, denkt der Betroffene nicht nach…

Anja Nielsen
Schriftführerin