Bremen führt als erstes Bundesland die Obduktionspflicht für Kinder unter 6 Jahren ein – Schleswig-Holstein sollte diesem Beispiel folgen.

von Kim Harder

Eine Obduktion ist die letzte ärztliche Untersuchung eines Menschen. Oft ist dabei der Rechtsmediziner auch der einzige „Anwalt“ des Verstorbenen. Die Obduktion bei Kindern unter 6 Jahren soll dazu dienen, eventuelle Kindesmisshandlungen zu erkennen und aufzuklären. Besonders sinnvoll ist eine routinemäßige Untersuchung aller Kinder, die ohne Vorerkrankungen oder äußere Zeichen von Verletzung tot aufgefunden werden.

Dabei handelt es sich weder um eine Stigmatisierung noch um einen Generalverdacht. Der Hauptvorteil ist rein fachlicher Natur: Die obduzierenden Rechtsmediziner sind schlichtweg besser qualifiziert, die Todesursache bei Kindern exakt festzustellen. Kinder- und Notärzte sind im Alltag bereits aufgrund der belastenden, oft dramatischen Situation bei gleichzeitig hoher Arbeitsdichte maximal gefordert. Pädiatrischen Besonderheiten – etwa ein Schütteltrauma – können leicht übersehen werden.

Auch für die Eltern ist die Obduktionspflicht von Vorteil: Wenn ein Kind bereits Wochen oder Monate beerdigt ist, entstehen ohne Obduktion oft Zweifel und Fragen woran genau das Kind gestorben ist. Nach einer Obduktion können derart quälende Fragen nicht Raum greifen. Zugleich hilft die Obduktionspflicht den Ärzten: Die Eltern sind nach einem Kindstod geschockt und wollen häufig nur in Ruhe gelassen werden. In dieser Situation macht es eine allgemeine Obduktionspflicht einfacher, da von vornherein Klarheit für alle Beteiligten besteht und die Obduktion gesellschaftlich an Akzeptanz gewinnt.

Schließlich schützt eine generelle Obduktionspflicht die Kinder, da jeder weiß, dass eine Misshandlung entdeckt werden wird. Der Staat soll seine Bürger schützen – wer hätte unseren Schutz nötiger als unsere Kinder?

Kim Harder
Arzt – Apotheker
Stv. Kreisvorsitzender